Karstadt macht Schluss

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Skizzenbücher #10

Nicht irgendein – mein Warenhaus! ÷ So titelte die letzte Ausgabe der Centrum-Rundschau 1989, ein kleines Betriebsblatt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Leipziger Centrum Warenhauses, welches sich schon ein Jahr später in eine Karstadt-Filiale verwandeln sollte. 2019, dreißig Jahre danach, wurde es geschlossen. Den Verkäufer­innen hat man gekündigt. Ihr Kaufhaus steht leer, die Fontäne ist versiegt. Die Leute haben sich schon daran gewöhnt. Es ist doch nur irgendein Kaufhaus. Ist das so? Was machen die Verkäuferinnen jetzt und warum tut die Lücke so weh? Viele Menschen dieser Stadt sprachen über diese Schließung, blieben aber ungehört.

Olivia Golde hat ein kleines Buch geschrieben, das Dokumentation und Fiktion verbindet. Ein Beobachtungsprotokoll des Ausverkaufs und eine Träumerei über die Verkäuferinnen, die ihr Leben lang dort gearbeitet haben, leiten über zu einem Monolog, in dem zwei der Frauen von sich berichten. Ein Stück Stadt- und Zeitgeschichte, das bewahrt und befragt wird.
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(c) Wolfgang Swietek
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